Seit Januar 2024 sind in Deutschland rund 1,69 Millionen Wärmeerzeuger in den Markt gegangen. Knapp 686.500 davon waren Wärmepumpen — gut vier von zehn. Hinter dieser trockenen Zahl steckt eine Verschiebung, die sich in zweieinhalb Jahren vollzogen hat und die in Beratungsgesprächen fast täglich eine Rolle spielt: Ist die Wärmepumpe wirklich angekommen, oder ist sie eine politische Laune, die mit der nächsten Regierung wieder verschwindet? Die Absatzzahlen des Branchenverbands BDH geben darauf eine ziemlich klare Antwort.

Drei Jahre, drei verschiedene Märkte

Die Entwicklung lässt sich in einer einzigen Zeile zusammenfassen — dem Anteil der Wärmepumpe am gesamten Absatz:

  • 2024: 712.500 Wärmeerzeuger insgesamt, davon 193.000 Wärmepumpen — 27,1 Prozent
  • 2025: 627.000 insgesamt, davon 299.000 Wärmepumpen — 47,7 Prozent
  • 1. Halbjahr 2026: 352.000 insgesamt, davon 194.500 Wärmepumpen — 55,3 Prozent

Die Prozentwerte sind unsere eigene Rechnung aus den veröffentlichten Stückzahlen; alle Absolutzahlen stammen unverändert vom BDH. Und ein Hinweis, der oft untergeht: Gezählt wird der Absatz — also was die Hersteller in den Markt geliefert haben, nicht was am Ende in einem Keller steht. Zwischen beidem liegen Lagerbestände und Montagezeiten. Für den Trend ändert das nichts, für die absolute Zahl schon.

2024: das Jahr, in dem der Markt einbrach

2023 war ein Rekordjahr mit über 1,3 Millionen Wärmeerzeugern — getrieben von der Sorge vor dem damals diskutierten Heizungsgesetz. 2024 folgte der Absturz: minus 46 Prozent auf 712.500 Geräte. Die Wärmepumpe fiel im gleichen Maß, von rund 356.000 auf 193.000.

Bemerkenswert ist, dass es beide Seiten gleich hart traf. Es war kein Wechsel von einer Technik zur anderen, sondern schlicht ein Käuferstreik. Der BDH benennt als Ursache die politische Unsicherheit — wer nicht weiß, welche Regeln in zwei Jahren gelten, ersetzt eine noch laufende Heizung nicht.

2025: der Markt schrumpft weiter — die Wärmepumpe wächst trotzdem

Das Folgejahr ist das interessanteste der drei, weil es zwei gegenläufige Bewegungen zeigt. Der Gesamtmarkt sank noch einmal um 12 Prozent auf 627.000 Geräte, den niedrigsten Stand seit fünfzehn Jahren. Gleichzeitig legte die Wärmepumpe um 55 Prozent auf 299.000 zu und wurde damit erstmals die meistverkaufte einzelne Heiztechnik des Jahres.

  • Wärmepumpen: 299.000 (+55 %)
  • Gas: 276.500 (−33 %)
  • Biomasse: 29.000 (+23 %)
  • Öl: 22.500 (−74 %)

Fast der gesamte Zuwachs entfällt dabei auf Luft-Wasser-Geräte: 283.000 der 299.000. Das ist genau die Bauart, die wir einbauen — und der Grund, warum sich Lieferzeiten, Ersatzteilversorgung und die Zahl geschulter Monteure in diesem Segment spürbar entspannt haben.

2026: die Mehrheit

Im ersten Halbjahr 2026 wuchs der Gesamtmarkt erstmals wieder, um 19 Prozent auf 352.000 Geräte. Die Wärmepumpe legte um 40 Prozent auf 194.500 zu und überschritt damit die Hälfte des Gesamtabsatzes. Zur Einordnung: In sechs Monaten wurden fast so viele Wärmepumpen abgesetzt wie im gesamten Jahr 2024.

Gas stagnierte bei 134.000 Geräten (+1 %), Öl fiel auf 9.500 (−11 %), Biomasse auf 14.000 (−1 %).

Was wir daraus für die Praxis ableiten

  • Die Wärmepumpe ist kein Experiment mehr. Eine Technik mit über 50 Prozent Marktanteil hat Ersatzteillager, geschulte Monteure und Wettbewerb unter den Herstellern. Genau das war vor drei Jahren der berechtigte Einwand — er trägt heute nicht mehr.
  • Gas ist nicht tot, und wir tun auch nicht so. 134.000 Gasgeräte in einem halben Jahr sind kein Auslaufmodell. Wo ein Gebäude oder eine Situation es hergibt, bauen wir weiterhin Gasbrennwertgeräte ein — das ist eine Rechnung, keine Weltanschauung.
  • Öl ist praktisch verschwunden. Nach minus 74 Prozent im Jahr 2025 sind Ölheizungen im Neugeschäft eine Randerscheinung. Bestehende Anlagen warten und reparieren wir selbstverständlich weiter; neu eingebaut wird Öl bei uns nicht.

Die andere Seite der Zahlen

Es wäre unredlich, die Entwicklung nur als Erfolgsgeschichte zu erzählen. Der BDH selbst rechnet für das Gesamtjahr 2026 mit etwa 700.000 Wärmeerzeugern — und nennt das ausdrücklich deutlich zu wenig für die nötige Modernisierungsrate im deutschen Gebäudebestand. Der Markt liegt damit noch immer weit unter dem Rekordjahr 2023, und der Verband fordert seit drei Jahren dasselbe: verlässliche Rahmenbedingungen, die länger halten als eine Legislaturperiode.

Anders gesagt: Die Richtung ist eindeutig, das Tempo ist es nicht. Wer 2024 abgewartet hat, weil ihm die Lage zu unübersichtlich war, lag damit nicht falsch. Wer heute noch wartet, wartet auf eine Klarheit, die inzwischen da ist — das Gebäudemodernisierungsgesetz steht, die Förderung ist geordnet, und der Frankfurter Wärmeplan liegt vor.

Was die Zahlen nicht beantworten

Ein Marktanteil sagt nichts über Ihr Haus. Ob eine Wärmepumpe bei Ihnen sinnvoll arbeitet, hängt an Heizlast, Vorlauftemperatur, Heizflächen und Platz — nicht an einer Statistik. Diese Frage beantwortet eine Heizlastberechnung, nicht ein Balkendiagramm. Und was der Betrieb am Ende kostet, haben wir in einer offengelegten Modellrechnung für Wärmepumpe, Gas und Öl gegenübergestellt.

Wenn Sie wissen möchten, auf welcher Seite dieser Statistik Ihr Gebäude steht: Wir rechnen die Varianten durch und sagen Ihnen auch, wenn die Wärmepumpe nicht die richtige Antwort ist.

Quellen. Alle Stückzahlen stammen vom Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH); die Prozentanteile am Gesamtmarkt sind daraus selbst berechnet. Im Einzelnen: Jahresbilanz 2024 (27. Januar 2025), Jahresbilanz 2025 (1. Februar 2026) nebst der Absatztabelle 2025 (Stand 31. Januar 2026), sowie Heizungsmarkt legt zu (11. August 2026) für das erste Halbjahr 2026. Der BDH erfasst den Absatz der Hersteller, nicht die tatsächlich in Betrieb genommenen Anlagen. Stand dieser Auswertung: 5. September 2026. Dieser Beitrag ersetzt keine individuelle Beratung — für Ihr Gebäude sprechen Sie uns direkt an.